Friedberg: Das Theater „Altes Hallenbad“ – Vom denkmalgeschützten Jugendstilbad zum nachhaltigen Kulturzentrum
Das Theater „Altes Hallenbad“ in Friedberg ist ein außergewöhnliches Beispiel dafür, wie historische Bausubstanz, bürgerschaftliches Engagement und kulturelle Visionen zusammenwirken können. Es zeigt eindrucksvoll, wie die Umnutzung eines historischen Hallenbads zu einem Theater sowohl architektonisch als auch funktional gelingen und ein wertvoller Beitrag zur kulturellen Stadtentwicklung unter besonderer Rücksichtnahme auf Denkmalschutz, Energieeffizienz und Nutzungsanforderungen geleistet werden kann. Damit erfuhr das über 100 Jahre alte Gebäude nicht nur eine bauliche Ertüchtigung, sondern wurde zugleich funktional auf die Anforderungen eines modernen Kultur- und Veranstaltungsortes ausgerichtet.






Genau betrachtet: Ein Ort mit Geschichte und Zukunft
Die Ausgangslage: Langjähriger Leerstand und einsetzender Verfall
1909 als Jugendstil‑Hallenbad eröffnet, diente das Gebäude über Jahrzehnte hinweg als öffentliche Badeanstalt für Körperpflege und Schwimmsport. Nach der Schließung im Jahr 1980 stand das Bad lange Zeit leer – und trotz Denkmalschutz verfiel es zunehmend.
Die Verwandlung: Schritt für Schritt fit für eine nachhaltige Nutzung
Bereits mit Sanierungsbeginn im Jahr 2013 gelang ein neuer Aufbruch: Das ehemalige Schwimmbad wurde zum Kulturzentrum der Stadt Friedberg und entwickelte sich zu einem Ort mit ganz eigener Atmosphäre und hohem Identifikationswert für die Bürgerschaft. Der über das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ geförderte Bauabschnitt stellte den Abschluss der Sanierungsmaßnahmen am denkmalgeschützten Gebäude dar. Neben der Instandsetzung der historischen Fassade und der Rekonstruktion der Fenster erfolgten auch im Innenbereich – je nach Zustand – umfangreiche Sanierungs-, Restaurierungs- und Rekonstruktionsarbeiten. Die technische Gebäudeausstattung wurde modernisiert und die Akustik gezielt verbessert. Maßnahmen an der Dachterrasse, zusätzliche Fluchttreppen sowie die vollständige Wiederherstellung der Außenanlagen rundeten die Sanierung ab.
Aufnahmen des Projekts vor der Sanierung.
„Das Hand-in-Hand-Arbeiten hat gut funktioniert, so hat beispielsweise für den laufenden Betrieb während der Bauphase der Verein mit besonderer Betriebsorganisation gesorgt, kleinere Bauaufgaben zwischendurch, die den reibungslosen Ablauf der Gewerke sicherstellen, konnte der städtische Baubetriebshof übernehmen.“
Elisa König, Amt für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen der Kreisstadt Friedberg (Hessen)
Das Ergebnis: Ein Kultur- und Veranstaltungsort mit besonderem Flair
Mit der Förderung wurde im fünften und letzten Bauabschnitt der entscheidende Schritt unternommen, um das historische Gebäude zu modernisieren, langfristig zu sichern und als öffentlich zugängliche Kulturinfrastruktur vielfältig nutzbar zu machen. Der Einbau eines Aufzugs ermöglicht erstmals den barrierefreien Zugang zu allen Ebenen des Theaters. Damit öffnet sich das Haus für neue Nutzungsgruppen und leistet einen starken Beitrag zu sozialer Teilhabe und kultureller Inklusion. Die energetische Ertüchtigung der Fassade, die Rekonstruktion der Fenster und die Modernisierung der technischen Anlagen reduzieren den Energiebedarf deutlich und sichern das Gebäude nachhaltig für zukünftige Generationen.
„Als Ort der Kultur, baulich als Jugendstiljuwel sowie inhaltlich mit der Qualität und Bandbreite der Veranstaltungen, stellt das Projekt ein Leuchtturmprojekt dar, welches von ganz unterschiedlichen Nutzergruppen, auch überregional, geschätzt wird.“
Elisa König, Amt für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen der Kreisstadt Friedberg (Hessen)
Umfassende Maßnahmen: Denkmalschutz und Modernisierung im Einklang
Die Verbindung von Denkmalschutz und modernen Anforderungen bilden aus baulicher Sicht den zentralen Schwerpunkt im Projekt. Dazu gehören der Erhalt der Jugendstilarchitektur bei gleichzeitiger Umsetzung von Barrierefreiheit sowie der Einsatz energieeffizienter Gebäudetechnik. Die Gesamtsanierung gliederte sich in mehrere Teilabschnitte – mit den folgenden Maßnahmen zum Abschluss:
„Der große Saal mit seinen rekonstruierten Rundbogenfenstern -als nun heller Raum- ist besonders schön. Aber es ist nicht allein ein einzelnes bauliches Element aus dem Jugendstil, sondern die sorgsam gewählte Kombination der erhaltenen Bauelemente aus verschiedenen Epochen/Zeiten, die den Eindruck besonders machen.“
Elisa König, Amt für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen der Kreisstadt Friedberg (Hessen)
Damals bis heute: Ein Blick in die Historie
Das Friedberger Hallenbad geht auf einen 1891 gegründeten Bürgerverein zurück. Entscheidend für den Bau Anfang des 20. Jahrhunderts waren zwei großzügige Spenden in Höhe von insgesamt 75.000 Mark zur Verwendung für eine ganzjährig geöffnete Badeanstalt. 1907 entstand eine Aktiengesellschaft, die den Bau in der Haagstraße 29 beschloss. Die Planung des Jugendstilbades übernahm der renommierte Schwimmbadarchitekt Hans Meyer, die Finanzierung erfolgte überwiegend aus Spenden und Aktien. Bis in die 1960er Jahre gingen bei mehreren Umbauten viele ursprüngliche Jugendstilelemente verloren. Am 1. Juni 1980 schloss das Hallenbad dann seine Tore für die Öffentlichkeit, seit 1985 steht es als „Denkmal bürgerschaftlichen Gemeinsinns“ unter Denkmalschutz.
Besonderer Fokus: Bürgerengagement und nachhaltige Umnutzung
Das „Alte Hallenbad“ in Friedberg verkörpert bürgerschaftliche Verbundenheit in besonderer Weise . Schon der ursprüngliche Bau Anfang des 20. Jahrhunderts wurde durch eine Initiative aus der Bürgerschaft und zahlreiche Spenden ermöglicht, wie der Blick in die Historie zeigt.
Ein Jahrhundert später setzte sich erneut die Friedberger Stadtgesellschaft für den Erhalt ein: 2007 gründeten engagierte Bürgerinnen und Bürger den Förderverein „Gesellschaft der Freunde Theater Altes Hallenbad Friedberg/Wetterau e. V.“, der den Erhalt des Gebäudes und die Umnutzung zum Theater maßgeblich vorantrieb. Daneben gründete sich eine „Theater Altes Hallenbad gGmbH“, die auch einen langjährigen Erbpachtvertrag mit der Stadt Friedberg (Hessen) schloss, die auch einen langjährigen Erbpachtvertrag mit der Stadt Friedberg (Hessen) schloss, die baulichen Maßnahmen begleitete und als Letztempfängerin der von der Stadt Friedberg weitergeleiteten Zuwendung des Bundes fungierte. . Die Elemente aus dem Leitbild des Fördervereins – wie der Charakter als Begegnungsstätte zur Stärkung der Gemeinschaft vor Ort sowie die barrierefreie und ökologische Ausrichtung des Gebäudes nach der Sanierung – entsprechen dabei den Förderzielen des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“.
Der Einsatz der Bürgerschaft hat sich gelohnt. Im Ergebnis profitiert die Allgemeinheit von der Sanierung, sowohl mit Blick auf das Gebäude als Veranstaltungsort als auch mit Blick auf das Veranstaltungsprogramm, das das kulturelle Leben vor Ort bereichert. Damit schließt sich ein Kreis: Ein Kulturort von der Bürgerschaft – für die Bürgerschaft.
„Die Bauherrenfunktion in Zusammenarbeit zwischen Kommune und Förderverein zu übernehmen, hat ein Vier-Augen-Prinzip geschaffen, welches die Bauphase, insbesondere in den Schwierigkeiten während der Coronakrise, vorausschauend meistern konnte.“
Elisa König, Amt für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen der Kreisstadt Friedberg (Hessen)
Aufnahmen des Projekts nach der Sanierung
Kontakt zur Kommune
Wenn Sie mehr über die Sanierung und Umnutzung des Theaters „Altes Hallenbad“ in Friedberg (Hessen) wissen wollen oder Erkenntnisse aus den Erfahrungswerten der Kommune für Ihr Projekt gewinnen möchten, können Sie sich gerne an das Amt für Stadtentwicklung, Liegenschaften und Rechtswesen der Kreisstadt Friedberg (Hessen) wenden: Ansprechpartnerin ist Elisa König (elisa.koenig@friedberg-hessen.de / Tel.: 06031/88-208).
Für Fragen zum bürgerschaftlichen Engagement steht außerdem die Theater Altes Hallenbad gGmbH unter kontakt@aha-friedberg.de zur Verfügung.



















